Er ist da!

Willkommen, Joaquin Robert! Am 26. August war es so weit und wir lernten endlich unseren Sohn kennen. Unser Leben wird nie mehr das gleiche sein. 

 

 

Was für ein Abenteuer, diese Geburt. Ein auf und ab, jenseits von allem, was ich erwartet habe, eine Grenzerfahrung, die ich phasenweise nicht zu überleben glaubte, Schmerzen, Verzweiflung, ein verdammter «Chrampf» und dennoch etwas vom Schönsten und intensivsten, was ich je erleben durfte. Und ja, man vergisst die Schmerzen tatsächlich. Obwohl ich mehr als 20 Stunden Wehen hatte, kann ich mich nicht mehr erinnern, wie sie sich genau angefühlt haben. Danke, Mutter Natur!

 

Wie schnell Mutterliebe wächst, merkte ich bereits in der ersten Nacht: Weil Joaquin zu schnell atmete, musste er zur Überwachung in die Neonatologie. Es hat mir das Herz gebrochen, von ihm getrennt zu sein und ihn – nur in einer winzigen Windel – in diesem Brutkasten zu sehen. Zum Glück durfte er nach zwei Nächten wieder zu mir kommen, seine Atmung hatte sich normalisiert.

 

Und nun sind wir schon bald zwei Wochen zu Hause. Und das auf und ab geht weiter. Wir geniessen das Familienleben und gleichzeitig heule ich oft aus Verzweiflung, weil Joaquin nicht aufhört zu schreien. Nach jedem Stillen. Und Abends dauert es bis zu fünf Stunden, bis er einschläft. Auf mir. Mit meinem Nippel im Mund. So habe ich mir das definitiv nicht vorgestellt. Auch auf die Brustentzündung mit fast 40 Grad Fieber, Schweissausbrüchen und Schüttelfrost war ich nicht vorbereitet. Und musste dennoch durch, und weiter stillen und weiter Baby beruhigen. Ein Glück war Renato die ersten zwei Wochen zu Hause. Ohne ihn hätte ich das nie und nimmer gepackt.

 

Heute ist unser erster Tag alleine zu Hause. Trotz Geschrei habe ich geduscht (sogar mit Haarewaschen), gefrühstückt und wir waren gemeinsam in der Migros. Und er schläft immer noch, so dass ich sogar Zeit habe, diese Zeilen zu schreiben. Nicht mal so schlecht, würde ich sagen.

 

Wäre da nicht die Angst vor der Abend und der Nacht. Das sind die schlimmsten Momente für mich. Dann wünsche ich mir, nie schwanger geworden zu sein und will mein altes, unabhängiges Leben ohne Kindergeschrei, Milchstau und Kackwindeln zurück. Und dann wird wieder morgen und alles ein bisschen heller und leichter.

 

Wir werden unseren Weg finden. Bis dahin ist Joaquin meine beste Yoga- und Meditationspractice: Einatmen, ausatmen, akzeptieren was ist, sich nicht mit der Situation identifizieren, im Moment leben, ihn geniessen und mir bewusst sein: Es geht vorbei. Das Geschrei, aber auch die süssen Momente, wenn Joaquin sein Köpfchen auf meine Brust legt, selig einschlummert und ich seinen wunderbaren Babyduft in der Nase habe.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0