Über das Verfallsdatum hinaus

Der 20. August kam und neigte sich dem Ende – ohne dass unser Junge das Licht der Welt erblickt hätte. Meine Geduld wird aufs Äusserste strapaziert.  

 

Die Tage ziehen sich hin, als hätten sie mindestens 34 Stunden. Ich habe wenig Energie, die Hitze setzt mir zu und in der Öffentlichkeit fühle ich mich unwohl. Es kommt mir vor, als würde ich von allen angestarrt, als hätte ich nicht nur einen dicken Bauch sondern auch Lepra. Ich fühle mich exponiert und extrem verletzlich. Ich meide nun die Stadt, bewege mich nur noch in einem Umkreis von rund 300 Metern. Oder im Wald. Aber auch dort wird mir zunehmend mulmig zumute: Was, wenn es plötzlich los geht und ich bin mitten im Gehölz?

 

Ich weiss, dass diese Endphase der Schwangerschaft für mich genau die richtige ist. Ich muss jegliche Kontrolle abgeben, kann nichts steuern und vorantreiben. Einfach abwarten, bis der Junge sich entscheidet, dass er jetzt so weit ist. Für mich ist das eine der schwierigsten Erfahrungen, die sich seit langem mache. Ich bin oft wütend, könnte schreien und Dinge zerschlagen. Yoga, Meditation, Spaziergänge und eisgekühlte Getränke helfen mir, es nicht zu tun.

 

Dennoch: Komm doch bald zu uns, kleiner Mann!

 

 

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