Von Babyvögeln und Mutterfischen

Unsere Ferien in Portugal waren wunderbar und ich bin entspannt und glücklich. Und nachdenklich: Zwei Begegnungen gehen mir nicht mehr aus dem Kopf. 

 

Portugal war ein Traum. Viel Zeit für uns und den Bauch, Familie, viel Sonne und gutes Essen. Ich bin seit ich ungefähr 12 Jahre alt bin Vegetarierin. Die Tiere taten mir damals leid und weil ich Fleisch nie besonders gemocht habe, fiel mir der Verzicht nicht schwer. Auch Fisch habe ich nie gegessen.

 

Seit ich mit Renato liiert bin, mache ich jedoch Fisch-Ausnahmen. Erstens, weil mir immer wieder gesagt wird, wie gesund Fisch doch sei und zweitens, weil Renato als Portugiese Fisch und alles Meergetier über alles liebt. Wenn wir in Portugal sind, landet also schon mal solches auf meinem Teller. Mitunter auch aus Bequemlichkeit, weil ich nicht immer erklären mag, dass ich weder Fisch noch Fleisch esse. In Portugal versteht man das nämlich nicht besonders gut.

 

So habe ich auch dieses Jahr Bacalhau, Dorade, Shrimps und Muscheln gegessen. Nie viel, weil ich dann trotz allem schnell genug davon habe. Als wir eines Tages beim Lunch in einem herzigen Strandrestaurant sassen, ass Renato einen Fisch. Während er ihn zerlegte, sagte er: "Oh, der war auch schwanger, da sind ganz viele Eier drin." Er schaut in mein entsetztes Gesicht und bereute seine unüberlegte Aussage sogleich. 

Es mag naiv sein, aber bisher hatte ich mir nie wirklich Gedanken über Mutterfische und Fischkinder gemacht. Sie liegen mir einfach doch ferner als kuschelige herzige Rinder mit ihren grossen Augen. Aber in dem Moment traf es mich mitten ins Herz: Auf dem Teller lag Mama Fisch. Und die war genauso schwanger wie ich.

 

Mir verging der Appetit auf mein Omelett. Den plötzlich war nicht nur Mama Fisch in meinem Kopf, sondern auch die Babyvögelchen, die wir ein paar Tage zuvor vor unserer Tür gefunden hatten. Wo die drei nackten, spärlich entwickelten Vögelchen heruntergefallen sind, konnte ich mir nicht erklären. Aber ihr Anblick machte mich unendlich traurig. Ich stellte mir Mama Vogel vor, die um ihre Babys trauert. Ich riss mich zusammen, doch etwa eine Stunde später brachen die Tränen aus mir heraus. 

 

Und als ich nun vor meinem Omelett sass, dachte ich an die Vögelchen, die aus den Eiern hätten werden können und trauerte um die nie geborenen Babyfische. Und zum ersten Mal in meinem Leben überlegte ich mir, ob eine vegane Lebensweise für mich vielleicht doch in Frage käme. Bisher konnte ich mich nicht damit anfreunden, zu sehr liebe ich Käse, Joghurt und ein Spiegelei auf den Tomaten-Spagetthi. Aber jetzt...

 

Während der Schwangerschaft werde ich meine Ernährung nicht umstellen, aber Fisch und Meeresgetier kommt mir vorerst nicht auf den Teller. Und nachher schauen wir dann weiter. 

 

 

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