Ich habe eine Symphyse locker

Seit einigen Tagen quälen mit fiese Schmerzen im Becken, gehen wird zur Qual und ich watschle wie eine schwangere Bergente.

 

Am Dienstag hat es anfangen, am Mittwoch konnte ich fast nicht mehr gehen. Der Bus, den ich normalerweise mit ein paar schnellen Schritten erreicht hätte, fuhr vor meiner Nase ab und mir kullerten Tränen über die Wangen. Ist es das jetzt? Kann ich mich nicht mehr bewegen?

 

Zu Hause versuchte ich mich bei einigen sanften Yoga-Asana zu entspannen, doch die meisten Bewegungen schmerzten zu sehr. Einzig der Kopfstand, der das Gewicht vom Becken nahm, war wohltuend. Ich heulte wieder. Mich nicht mehr bewegen zu können, ist mein Albtraum. Und ausserdem sind es ja noch immer mehr als drei Monate bis zur Geburt.

 

Am Donnerstag rief ich meine Gynäkologin an. Weil sie aber in den Ferien war, verwies man mich an die Frauenpermanence am Stadelhofen. Am Abend wartete ich mit anderen dickbäuchigen Frauen fast eineinhalb Stunden auf meine Konsultation. Eine junge Ärztin nahm sich schliesslich meiner an, stellte ein paar knappe Fragen, drücke zweimal auf mein Becken und diagnostizierte eine Symphysen-Lockerung. Das hatte ich befürchtet, Doktor Google hatte mich bereits vor-untersucht.

 

Sie machte ein besorgtes Gesicht: „Also so früh ist das schon ungewöhnlich. Und ich sagen Ihnen eines: Viel kann man da nicht machen und das wird nur noch schlimmer. Ich habe Frauen schon im Rollstuhl sitzen sehen deswegen.“ Mir wurde ein bisschen schlecht. Sie fuhr weiter: „Und das hört dann auch nach der Geburt nicht auf, das dauert. Und schwanger werden sollten sich dann auch besser lange nicht mehr. Am besten schreibe ich sie sofort krank.“ Das konnte ich mit schwachem Protestieren knapp abwenden. Mit einem Rezept für einen orthopädischen Hüftgürtel und einer Physio-Empfehlung in der Hand verabschiedete sie mich mit einem schlaffen Händedruck.

 

Bereits im Lift kam es wieder über mich und ich scherte mich nicht darum, dass ich inmitten der abendlichen Rushhour heulte. Das wars jetzt also: Ich würde die nächsten Monate zu Hause mit Schmerzen verbringen. Und die Wohnung dürfte ich eigentlich auch nicht mehr verlassen, da mir Treppensteigen nicht gut täte. Schön, dass ich im dritten Stock eines Altbaus ohne Lift lebe.

 

Ich hatte doch einen starken Körper, konnte mich immer auf ihn verlassen. Und jetzt plötzlich macht er schlapp. Und mit ihm ich. Ich fühle mich wie eine Versagerin.

  

Seit heute Morgen trage ich nun diesen sexy Hüftgürtel aus dem Orthopädie-Shop, der zwar ein bisschen stützt, aber primär zwickt. Bye Bye Sexyness die Zweite. 

 

 

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