Asato Ma Sat Gamaya

Am Freitag, nach einem langen, harten Arbeitstag, wollte ich nichts mehr, als ganz viel Rotwein zu trinken. Zum ersten Mal fand ich es so richtig scheisse, auf Alkohol zu verzichten. Anstatt mich einem beglückenden Damenrausch hinzugeben, rollte ich halt meine Yoga-Matte aus.

 

Einige Asana später war die Lust auf Alkohol verschwunden, der Frust aber sass noch immer in meiner Brust. Seit ich schwanger bin, bin ich sehr dünnhäutig und vertrage weniger. Auch weniger Stress bei der Arbeit. Also yogierte ich weiter, in der Hoffnung, Entspannung zu finden. 
Zum Schluss, auf dem Rücken in Badha Konasana liegend, erinnerte ich mich daran, dass ich mir vorgenommen hatte, Mantras zu singen für den Jungen. Singt man ihnen schon im Bauch vor, erinnern sie sich – so sagt man –später daran und beruhigen sich, wenn sie die gleiche Melodie hören. Es ist zwar noch etwas früh, aber in ein paar Wochen sollte das Baby meine Stimme wahrnehmen können. 

Ich begann mit "Om Tryambakam", gefolgt vom "Gayatri Mantra", meine beiden Lieblingsmantras. Ganz unbewusst wechselte ich zu "Asato Ma Sat Gamaya". Kein Mantra, das ich oft singe, obwohl ich es gut kenne. Mein indischer Philosophie-Lehrer im Ashram hatte das Mantra vor und nach jeder Lektion gesungen, jeden Tag.

Und als ich nun dieses Mantra rezitierte, schien es regelrecht eine Mauer zu durchbrechen. Auf einmal kamen all die Emotionen, die sich in meiner Brust gesammelt und mir das Atmen schwer gemacht hatten, raus. Ich weinte und spürte mit jedem Schluchzen, wie ich leichter wurde. Mein Mantra würde ganz dünn, unterbrochen von lautem Weinen und Keuchen, aber ich machte weiter, bis meine Stimme wieder fest wurde. Ich bin fasziniert davon, wie mir scheinbar zufällig genau jenes Mantra einfiel, das mir gut tat.

Ich habe es am Wochenende immer wieder gesungen, mal leiser, mal lauter. Ich kann schwer beschreiben, was es auslöst. Es lässt sich vielleicht mit dem Gefühl, in eine warme, kuschelige Decke eingewickelt zu sein, beschreiben. 

 

Aasato mā sadgamaya

tamasomā jyotir gamaya

mrityormāamritam gamaya

 

 

Führe mich vom unwirklichen zur Wahrheit

von der Dunkelheit zum Licht

von der Sterblichkeit zum ewigen Leben

 

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