Ich will nicht mehr

Am Samstag hatte ich einen totalen Zusammenbruch. Emotional Breakdown par excellence. Etwas hatte sich seit Freitag angestaut, ohne dass ich hätte sagen können, was in mir vorgeht. 

 

Eine Mischung aus Wut, Frust und Trauer. Ein erstes Ventil fand ich am Samstagnachmittag bei einem Streit, ob dir den Kuchen, den wir als Gastgeschenk am Abend mitbringen wollten, selbst backen oder kaufen. Doch Erleichterung stellte sich keine ein.

 

Als wir vom Essen zurückfuhren, gelang es mir nicht, den Wagen auf Anhieb seitwärts in die Parklücke zu stellen und das war die Nadel, die den übervollen Ballon zum Platzen brachte. Ich fing an zu heulen und hörte zwei Stunden lang nicht mehr auf. Ich schluchzte so sehr, dass ich Angst hatte, zu ersticken. Renato schickte ich weg, ich verkroch mich im Bett, meinen Plüsch-Hund Bello-Jimmy im Arm und wollte nur eines: sterben. Ich fiel in ein Loch von unendlicher Trauer, spürte einen Schmerz, den ich nicht zuordnen konnte, dessen Intensität ich aber kaum aushielt. Ich wollte das Kind nicht, ich wollte Renato nicht, ich wollte gar nichts mehr. Ich weinte um meinen Vater und wünschte mir zutiefst, ich wäre an seiner Stelle vor zwei Jahren verstorben. Renato lag auf dem Sofa im Zimmer nebenan, ich schlief irgendwann erschöpft und mit zugeschwollenen Augen ein.

 

Als ich aufwachte kam die Erinnerung an letzte Nacht zurück wie unscharfe Traumfetzen.

Ich bekam Angst. Mir wurde bewusst, dass ich Szenen wie jene letzter Nacht bestens kenne. Vor nicht allzu langer Zeit war ich an einer Depression erkrankt, hatte nächtelang durchgeheult und mir auf Brücken überlegt, wie erleichternd es doch wäre, hinunterzuspringen.

 

Ich kroch zu Renato aufs Sofa, er hielt mich, während ich im erzählte, dass ich letzte Nacht hatte sterben wollen. Er war schockiert, besorgt und hilflos. Ich schämte mich. Ich versuchte ihm zu erklären, dass es so war, als sei letzte Nacht ein dicker, gelber Pickel schmerzhaft aufgeplatzt. Hinterher war der Schmerz weniger, die Wunde konnte heilen. Ungefähr so fühlte ich mich an diesem Sonntag. Erschöpft, aber auch erleichtert. Ich überlege mir, meiner Therapeutin mal wieder einen Besuch abzustatten.  

 

 

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